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Die Jury hat gewählt – St. Leopold Friedenspreis

24.09.2018

Die Jury hat gewählt – St. Leopold Friedenspreis

Prälat Bernhard Backovsky verlieh den „St. Leopold Friedenspreis 2018“ an den Künstler Simon Schober und je einen Förderpreis an Daniel Sommergruber und Gerd Paulicke. Der internationale Kunstpreis des Stiftes Klosterneuburg zeichnet Kunstwerke aus, die sich kritisch mit humanen und gesellschaftspolitischen Themen auseinandersetzen. „Die Zeit wird uns gegeben und wir formen die Zeit“, ist das diesjährige Thema der mit 12.000,- Euro dotierten Auszeichnung.

Der nach dem Stiftsgründer benannte „St. Leopold Friedenspreis“ zeichnet Kunstwerke aus, die sich kritisch mit humanen und gesellschaftspolitischen Themen auseinandersetzen. Der international anerkannte Kunstpreis wendet sich an Künstlerinnen und Künstler aus den Bereichen Malerei, Grafik, Skulptur und Fotografie und wird alle zwei Jahre vergeben. Inhaltlich gibt es ein – meist der Bibel entnommenes – Motto, das zum Nachdenken auffordern soll.

Das Jahresthema 2018: „Die Zeit wird uns gegeben und wir formen die Zeit.“

„So steht es im Buch Kohelet: Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen, eine Zeit zum Töten und eine Zeit zum Heilen, eine Zeit zum Niederreißen und eine Zeit zum Bauen, eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz; eine Zeit zum Steinewerfen und eine Zeit zum Steine sammeln, eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit, die Umarmung zu lösen, eine Zeit zum Suchen und eine Zeit zum Verlieren, eine Zeit zum Behalten und eine Zeit zum Wegwerfen, eine Zeit zum Zerreißen und eine Zeit zum Zusammennähen, eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden, eine Zeit zum Lieben und eine Zeit zum Hassen, eine Zeit für den Krieg und eine Zeit für den Frieden. Wenn jemand etwas tut – welchen Vorteil hat er davon, dass er sich anstrengt? Ich sah mir das Geschäft an, für das jeder Mensch durch Gottes Auftrag sich abmüht. Gott hat das alles zu seiner Zeit auf vollkommene Weise getan. Überdies hat er die Ewigkeit in alles hineingelegt … „ (Koh 3,1-11).

Bereits zum achten Mal wurde der mit 12.000,- Euro dotierte internationale Kunstpreis im Rahmen eines Festaktes im Marmorsaal des Stiftes Klosterneuburg verliehen. Höchst beeindruckende Werke vom großformatigen Gemälde über vielfältige skulpturale Objekte bis hin zu Lichtinstallationen wurden eingereicht. Eine fachkundige 11-köpfige Jury wählte in mehreren die Sieger.

Der Hauptpreis mit 10.000,- Euro ging an den Wiener Simon Schober  für sein Glasobjekt „Leerzeit“. Es handelt sich um eine große Sanduhr mit einem extrem engen Mittelteil, die oben und unten offen ist. Ausgehend von diesem Objekt stellt der Künstler an sich und den Betrachter etliche Fragen. Was wird in die Sanduhr eingefüllt? Ist man sich bewusst darüber, in welchem Tempo sich der Inhalt bewegt? Die Skulptur wirkt robust, kann aber bei falschem Umgang zerbrechen – vielleicht eine Symbolik für die Sache/den Menschen selbst? Kann die Sanduhr Symbol für mehrere Stationen in unserem Leben sein? Oder steht sie für das Leben selbst: Wohin rinnt der Sand wenn die untere Hälfte offen ist?

 

Je ein Anerkennungspreis von 1.000,- Euro wurde an die beiden Künstler Daniel Sommergruber und Gerd Paulicke vergeben.

Daniel Sommergruber ist ausgebildeter Bühnenbildner, was man dem Werk „Alles hat seine Zeit“ auch anmerkt. Es handelt sich um eine Installation aus Koffern, in die mit Kugelschreiber Bilder von Menschen, die sich in Bewegung befinden, gezeichnet wurden. Es gibt eine Zeit zum Behalten und eine Zeit zum Wegwerfen. Seine Schlüsselbegriffe lauten: „Zurücklassen“ und „Eigentum“ und manifestieren sich für ihn in Form eines Gegenstandes: des Koffers.

Gerd Paulickes Werk ist ein fotografisches Selbstportrait mit dem Titel „Vergissmeinnicht“. Das Vergessen ist der Verlust von im Gedächtnis gespeicherten Informationen. Der Mensch vergisst über die Zeit hinweg kontinuierlich, wobei die Geschwindigkeit und der Umfang des Vergessens von vielen Faktoren abhängig sind, etwa vom Interesse, von der Emotionalität der Erinnerung oder der „Wichtigkeit“ der Information. Die genaue Funktion des Vergessens ist aber noch größtenteils ungeklärt. Irgendwann wird alles vergessen sein. Und wie lange dauert es, bis meine eigene Identität ausgelöscht ist?

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Die Ausstellung der nominierten und ausgezeichneten Werke des St. Leopold Friedenspreises 2018 ist vom 20. September bis 31. Dezember 2018 im Stift Klosterneuburg zu besichtigen. Das preisgekrönte Werk wird nach der Ausstellung in den Bestand des Stiftsmuseums, genauer, der „Galerie der Moderne“, aufgenommen.

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Das Motto für den St. Leopold Friedenspreis 2020 leitet sich aus Psalm 69 ab:
Rette mich Gott, denn das Wasser geht mit bis zur Kehle! Ich bin versunken im Schlamm des Abgrunds und habe keinen Halt mehr. Diese Stelle wurde unter dem Eindruck der Überschwemmungen und Unwetter ausgewählt, die auch in diesem Sommer wieder besonders heftig ausgefallen sind, enorme Schäden verursacht haben und die als Resultat des vom Menschen ausgelösten Klimawandels zu betrachten sind. Nicht zuletzt die Tatsache, dass sich Inselstaaten in der Südsee bereits durch den Anstieg des Meeresspiegels in ihrer Existenz bedroht sehen, soll hier noch zusätzlich den aktuellen gesellschaftspolitischen Hintergrund liefern.

Bewerben können sich Künstler/innen jeder Nationalität, politischer und religiöser Überzeugung.

 

Walter Hanzmann
Stift Klosterneuburg – Pressesprecher
T: +43 2243 411-182, M: +43 676 / 447 90 67
E: presse@stift-klosterneuburg.at, www.stift-klosterneuburg.at

 

Foto 1:       Europa-Abgeordneter Mag. Lukas Mandl; Kustos MMag. Wolfgang Christian Huber;
Friedenspreis Gewinner Simon Schober; Propst Bernhard Backovsky

Foto 2:       Europa-Abgeordneter Mag. Lukas Mandl; Kustos MMag. Wolfgang Christian Huber;
Friedenspreis Gewinner Simon Schober; Propst Bernhard Backovsky;
Superintendent NÖ Lars Müller-Marienburg

Foto 3:       Daniel Sommergruber; Friedenspreis Gewinner Simon Schober; Propst Bernhard Backovsky;
Gerd Paulicke; Europa-Abgeordneter Mag. Lukas Mandl

Copyright Stift Klosterneuburg, Fotograf Niki Trat, Abdruck honorarfrei

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