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Dem kulturellen Erbe NÖ auf der Spur

18.11.2019

Dem kulturellen Erbe NÖ auf der Spur

Die Bibliothek des Stiftes Klosterneuburg mit seinen 270.000 Bänden, beherbergt nicht nur Jahrhunderte altes Wissen, sondern auch eine Reihe von verborgenen Schätzen. Ein Team aus Mediävisten und Software-Entwicklern macht sich nun auf die Suche nach dem kulturellen Erbe Niederösterreichs, dessen Entstehung mit Hilfe der mittelalterlichen Schriften des Stiftes Klosterneuburg nachgezeichnet werden soll. Das transdisziplinäre Team beschreitet damit Neuland. Denn gemeinsam soll eine Methode auf Basis künstlicher Intelligenz entwickelt werden, die Aufschluss über mittelalterliche Denk- und Verhaltensmuster geben und damit den Wissenstransfer im Mittelalter in unseren Breiten nachvollziehbar machen soll. Vorgestellt wurde das neue Forschungsprojekt heute Mittwoch von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Propst Bernhard Backovsky im Rahmen des traditionellen Auftaktes zum niederösterreichischen Landesfeiertag.

„Es ist eine gute und bewährte Tradition, dass wir hier in Klosterneuburg unseren Landesfeiertag beginnen“, sagte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner am heutigen Freitag, dem 15. November, im Zuge einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Propst des Stiftes, Bernhard Backovsky, und Wirtschaftsdirektor Andreas Gahleitner.

Im Zuge der Pressekonferenz wurden zwei konkrete Forschungsprojekte näher vorgestellt. Zunächst das Projekt „Kloster Musik Sammlungen“, das kurz vor der Fertigstellung steht und die Musiksammlungen der Stifte Klosterneuburg, Göttweig sowie Melk untersucht und digitalisiert. Weiters das Projekt „Skriptorien-Forschung im Niederösterreich des 12. Jahrhunderts“. „Hier werden handschriftliche Werke aus dem Mittelalter digitalisiert und analysiert“, so Mikl-Leitner: „Auch die FH St. Pölten bringt hier ihr Know-how ein“. Seitens des Landes wird das Projekt durch das
FTI-Programm mit rund 200.000 Euro gefördert.

Forschungsprojekt „Skriptorien-Forschung im NÖ des 12. Jhdt.“

Niederösterreich sticht im internationalen Vergleich durch die hohe Anzahl an aktiven Klöstern mit ungebrochener Tradition bis in das Mittelalter zurückreichend heraus. Ein unschätzbares und ungehobenes kulturelles Erbe ist damit noch immer in ihren Bibliotheken und Sammlungen vorhanden. Das Stift Klosterneuburg besticht dabei mit der größten privaten Bibliothek Österreichs, die u.a. rund 1.250 Handschritten und 860 Inkunabeln beinhaltet, wobei ein Großteil der Handschriften im Skriptorium (Schreibwerkstatt) des Stiftes Klosterneuburg hergestellt wurden. Mit dem neuen Forschungsprojekt „Skriptorien-Forschung im Niederösterreich des 12. Jahrhundert“ hat sich das Stift Klosterneuburg gemeinsam mit der FH St. Pölten das Ziel gesetzt, aus den alten Handschriften des Stiftes den Beginn der systematischen Wissensorganisation des Landes Niederösterreich bis ins Früh- und Hochmittelalter zurückverfolgen.

Die Basis für dieses Projekt hat das Stift mit der Digitalisierung von rund 100.000 Seiten an mittelalterlichen Handschriften gelegt, von denen nun 40.000 für das neue Forschungsprojekt relevant sind. „Diese Vielzahl an Büchern und Texte stellt für die Erforschung der Entwicklung des intellektuellen Lebens im heutigen Niederösterreich ein großes Potential dar, das durch die massenweise Digitalisierung dieser Quellen und neueste Softwareentwicklungen gehoben werden kann. Damit sind uns tiefe Einblicke in die alltägliche Organisation und Entstehung von Wissen und Bildung vor 850 Jahren möglich“, so Andreas Gahleitner, Wirtschaftsdirektor des Stiftes Klosterneuburg.

Künstliche Intelligenz in der Skriptorien-Forschung

Das Zusammenspiel unterschiedlicher Disziplinen – Mediävistik und Software-Entwicklung – soll dabei eine neue Methode zur Analyse von mittelalterlichen Handschriften hervorbringen. Vielversprechend ist dabei die Anwendung künstlicher Intelligenz, die Schriftmuster aus den digitalisierten Handschriften automatisch erkennen soll. Bisher werden diese Algorithmen hauptsächlich für Verbrechensaufklärung und bei der Analyse von historischen Dokumenten eingesetzt. In dieser Verbindung können auch längst vergangene Schreiber identifiziert werden und Rückschlüsse auf die Arbeitsweisen in den Skriptorien gezogen werden. „Wenn wir erfolgreich sind, können wir Werkzeuge entwickeln, die bisher ungelöste oder auch bislang gar nicht gestellte Fragen nach der Organisation von Schriftlichkeit im Hochmittelalter in Klöstern weit über Niederösterreichs Grenzen hinaus beantworten können und die uns verstehen lassen werden, wie unsere Kultur und Identität entstanden ist“, so Gahleitner. Das vom Stift Klosterneuburg und der FH St. Pölten getragene Projekt startet im März 2020 und ist vom Land Niederösterreich im Rahmen des FTI-Programms mit rund EUR 200.000 gefördert.

Ort der Wissenschaft und Forschung

Das Stift Klosterneuburg setzt mit diesem Forschungsprojekt die Tradition des Stiftes in der Wissensgewinnung und im Wissenstransfer fort und etabliert sich auch erstmals als aktive Forschungseinrichtung. Das transdisziplinäre Team wird eine neue innovative digitale Technologie entwickeln und damit die Innovationskraft und Vorreiterrolle des Landes unterstreichen.
„Das Stift Klosterneuburg sei nicht nur „ein Ort der Begegnung“, sondern habe auch „eine große geschichtliche, kulturelle und wissenschaftliche Tradition“, hielt die Landeshauptfrau in ihrer Stellungnahme fest. Das Stift sei „ein wichtiger Teil unserer Forschungspolitik“, zumal Klosterneuburg mit dem Stift und vor allem auch dem IST Austria „ein wichtiger Forschungsknotenpunkt“ sei“.

Erst vor wenigen Wochen wurde im Stift Klosterneuburg das Forschungsprojekt „Kloster Musik Sammlungen“ abgeschlossen. In den letzten zwei Jahren wurden in einem interdisziplinären Projekt die Musiksammlungen der NÖ-Klöster Stift Göttweig, Stift Klosterneuburg und Stift Melk erstmals übergreifend nach gemeinsamen Kriterien und Fragestellungen erschlossen und erforscht sowie die musikalischen Netzwerke aufgezeigt. Dieser transdisziplinäre Ansatz verbindet musikwissenschaftliche Grundlagenforschung mit Sammlungsforschung und Methoden der „Digital Humanities“. Die Ergebnisse werden im Frühjahr 2020 in einer „Open-access-Datenbank“ sichtbar gemacht, die wesentliche Impulse für die weiterführende Forschung geben wird.

Das Forschungsprojekt in drei Sätzen

  • Transdisziplinäres Team aus Mediävisten und Software-Entwicklern, die gemeinsam eine neue Methode zur digitalen Erkennung und Zuordnung von Schreibern der Skriptorien ermöglicht.
  • Die Auswertung durch die „künstliche Intelligenz Software“ dient als Basis für weitere Erforschungen zur Entstehung der Schriftlichkeit und des Wissenstransfer in NÖ.
  • Das Land NÖ unterstreicht damit seine digitale Innovationskraft und Vorreiterrolle.

Das Forschungsteam
MMag. Dr. Martin Haltrich, Bibliothekar Stift Klosterneuburg
FH-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Markus Seidl, FH St. Pölten

 

 

Foto 1  Präsentierten das Projekt „Skriptorien-Forschung im Niederösterreich des 12. Jahrhunderts“:      Martin Haltrich, Bibliothekar des Stiftes Klosterneuburg, Markus Seidl (FH St. Pölten),
Propst Bernhard Backovsky, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Wirtschaftsdirektor
Andreas Gahleitner (von links nach rechts).

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Stift Klosterneuburg
Walter Hanzmann – Pressesprecher
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