Der heilige Leopold

Leopold III. ist um 1075 höchstwahrscheinlich in Melk geboren. Auf der dortigen Burg residierte sein Vater, der Babenberger-Markgraf Leopold II. Markgräfin Itha, die Mutter Leopolds III., stammte aus dem Geschlecht der Grafen von Formbach. Als Leopold II. am 12. Oktober 1095 starb, übernahm sein Sohn die Markgrafschaft Österreich und verlegte seinen Herrschaftssitz nach Klosterneuburg, wo er eine neue Burg errichtete.

Wer die erste Frau Leopolds III. war, ist nicht bekannt, jedenfalls entstammte dieser Ehe Leopolds ältester Sohn Adalbert. Das Jahr 1105 war für das weitere Geschick Leopolds III. von großer Bedeutung. Kaiser Heinrich IV. war immer mehr in starke Gegensätze zu den Großen des Reiches geraten. Selbst sein eigener Sohn stellte sich an die Spitze der Aufständischen. Vater und Sohn standen sich feindlich mit je einem Heer gegenüber. Dem jungen Heinrich V. gelang es, Herzog Boiwoy von Böhmen und den Babenberger Leopold von Österreich zu überreden, mit ihren Truppen das Heer des Kaisers zu verlassen. Dessen Lage war dadurch so aussichtslos geworden, sodass er flüchten musste. Ein Bürgerkrieg konnte so verhindert werden. Heinrich V. erwies sich dankbar und gab Leopold seine Schwester Agnes zur Frau. Agnes brachte dem Markgrafen nicht nur Ansehen im Reich, sondern auch ein beträchtliches Vermögen.

Das besondere Kennzeichen der Politik Leopolds III. ist seine Friedensliebe. Nur zweimal griff er zu den Waffen, um Einfälle der Ungarn zurückzuschlagen. Leopold betrieb eine aktive Friedenspolitik. Zum einen trat er als Friedensstifter in Streitigkeiten seiner Vasallen auf. Zum anderen arbeitete er für den Frieden auf höchster Ebene. 1122 wurde der jahrzehntelange Konflikt zwischen Papst und Kaiser (Investiturstreit) mit dem „Wormser Konkordat“ beendet. Leopold scheint einen großen Einfluss am Zustandekommen dieses Kompromisses gehabt zu haben. Leopold III. zeichnet sich auch durch eine aktive Kirchenpolitik aus. So sorgte er für die Klöster in seinem Herrschaftsbereich durch großzügige Schenkungen. Überliefert ist vor allem auch seine große Fürsorge für die Armen und Kranken.

Über die Gründung des Stifts Klosterneuburg berichtet eine Sage, die sogenannte Schleierlegende. Am 12. Juni 1114 ließ Markgraf Leopold den Grundstein zur Stiftskirche neben seiner Burg in Klosterneuburg legen. Dieses Ereignis darf als eigentliche Gründung des Stiftes angesehen werden. Seinen Sohn Otto ernannte Leopold in jungen Jahren zum Propst der noch weltlichen Kanonie Klosterneuburg. Als Otto in Frankreich dem Reformorden der Zisterzienser beitrat, änderte Leopold unter dem Einfluss seines Sohnes seine Kirchenpolitik grundsätzlich. War sie vorher durchaus im Dienst seiner Landes- und Machtpolitik gestanden, so stellte er sie nun in den Dienst der Kirche und ihrer Reform. Leopold gründete in diesem Zuge 1133 das Zisterzienserkloster Heiligenkreuz und verzichtete auf sein Eigenkirchenrecht in Klosterneuburg, indem er dorthin Augustiner Chorherren rief.
Trotz der Unterordnung unter kirchliche Anliegen konnte er sein Land zu Macht, Ansehen und Selbstständigkeit führen. Leopold III. wurde 1125 als ernsthafter Kandidat bei der Königswahl vorgeschlagen, doch lehnte er ab. Am 29. September 1136 wurde die Stiftskirche in Klosterneuburg feierlich vom Salzburger Erzbischof geweiht. Wenige Wochen später, am 15. November 1136, starb Leopold, wie eine Chronik berichtet, bei einem Jagdunfall.
Bald nach seinem Tod wurde Leopold vom Volk als Heiliger verehrt. Offiziell heilig gesprochen wurde er am 6. Jänner 1485.Leopold III. ist nicht nur ein Heiliger Österreichs unter vielen, sondern seit 1663 auch offiziell der Nationalpatron dieses Landes. Sein Festtag am 15. November wird bis zum heutigen Tag – vor allem in Klosterneuburg – in besonderer Weise gefeiert.