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Vergessene Chorfrauen von Klosterneuburg

30.04.2024

Die Ausstellung „Wir Schwestern – die vergessenen Chorfrauen von Klosterneuburg“ wurde am Donnerstag durch Propst Anton Höslinger eröffnet. Sie widmet sich einer vergessenen Institution: dem Augustiner-Chorfrauenstift Klosterneuburg. Die Geschichte dieses Klosters, die Frauen, die dort lebten, ihre Aufgaben, ihr Alltag und ihre Feste sind zentrale Themen der Ausstellung. Zu sehen vom 1. Mai bis 15. November 2024 im Stift Klosterneuburg.

Propst Anton Höslinger eröffnete am Donnerstagabend die neue Ausstellung „Wir Schwestern – die vergessenen Chorfrauen von Klosterneuburg". Denn im Stift Klosterneuburg lebten früher nicht nur Ordensmänner, sondern auch Ordensfrauen: die Augustiner-Chorfrauen, deren Gemeinschaft von 1133 an bis 1568 bestand und in dieser Zeit einen gesellschaftlich beachtlichen Stellenwert erreichte. Die Ausstellung "Wir Schwestern" beleuchtet die weithin vergessene Geschichte der Chorfrauen, ihres Stiftes, sowie ihre Aufgaben, ihren Alltag, und ihre Feste sowie ihren Stellenwert in der Klosterneuburger Gesellschaft. Grußworte der Politik überbrachten in Vertretung von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner der Nationalratsabgeordnete Johannes Schmuckenschlager sowie für die Stadtgemeinde Klosterneuburg Gemeinderätin Katharina Danninger.

Propst Höslinger zeigte sich am Rande der Eröffnung im Kathpress-Interview sehr erfreut darüber, dass mit dieser Ausstellung die Geschichte des Frauenklosters endlich entsprechend aufbereitet und gewürdigt wird: „Die Forschung hat in den vergangenen Jahren einiges wieder zutage gebracht und wir sind stolz darauf und freuen uns, diese wissenschaftlichen Ergebnisse nun präsentieren zu können, um damit auch das Bewusstsein für diesen Teil der Geschichte Klosterneuburgs zu schärfen".

1133 wurde das Kloster von Markgraf Leopold III. und seiner Gemahlin Agnes den Augustiner-Chorherren übergeben und wurde wie damals durchaus üblich zum Doppelkloster. Der Propst der Männergemeinschaft stand nicht nur dem Männerkonvent, sondern auch dem Frauenkonvent vor. Die Augustiner-Chorfrauen waren sehr eng mit den Stifterkreisen und mit dem Herrscherhaus verbunden. In die Gemeinschaft traten neben Mädchen und jungen Frauen auch adelige Witwen ein und Ehefrauen lebten auf Zeit beim Konvent, wenn ihre Männer gerade abwesend waren. Die Chorfrauen waren in Klosterneuburg auch für die Erziehung von Mädchen zuständig.

Während andernorts die Doppelklosterkonstruktion meist noch im 12. oder spätestens im 13. Jahrhundert aufgegeben und der Frauenkonvent aufgelöst wurde, blieb er in Klosterneuburg bis 1568 erhalten. Die Frauen waren hier sogar so erfolgreich, dass sie sich 1261 um das Frauenstift Sankt Jakob in Klosterneuburg erweiterten. Nach der Auflösung im 16. Jahrhundert fielen die Zeugen ihrer Existenz, ihr Hab und Gut, ihre Kunst, ihre Bücher und der gesamte Grundbesitz an das Augustiner-Chorherrenstift. Daran setzt die Ausstellung „Wir Schwestern“ an und zeigt auf Basis aktueller Forschung, welche Aufgaben die Schwestern hatten, welche Heiligen sie verehrten und auch, was sie gelesen, gebetet und gelehrt haben.

Das Kuratoren-Team

Über die mehrjährigen wissenschaftlichen Recherchearbeiten informierten bei der Eröffnungsfeier die Kuratorinnen der Ausstellung, Univ.-Prof. Dr. Eva Schlotheuber und Mag. Dr. Christina Jackel, sowie Kurator Univ.-Prof. Dr. Jeffrey F. Hamburger, die auch die wissenschaftliche Leitung über hatten.

„Eigentlich war das ein sehr attraktives Leben, denn man muss sich vorstellen, dass das weltliche Leben für Frauen auch relativ schwierig sein konnte. Man heiratete nicht aus Liebe, sondern wurde verheiratet, vor allem in den höheren Schichten, und es war natürlich ein sehr arbeitsreiches Leben“, erzählte die Co-Kuratorin Eva Schlotheuber im Interview mit noe.ORF.at.

„Das Kloster gab ihnen die große Chance auf Bildung und zu reflektieren, es war für die Frauen ein relativ autonomer Raum, den sie nach innen für sich gestalten konnten.“

Die Klostermauern boten den Frauen auch Schutz in unruhigen Zeiten. Sie wollten etwas bewirken und so lebten sie nach dem Leitspruch der „vita activa“, also eines aktiven Lebens. Im Stift Klosterneuburg unterhielten sie ein Spital für Arme und Kranke sowie eine öffentlich zugängliche Schule für Mädchen – eine Seltenheit zu dieser Zeit. Der Unterricht war neben dem Weinbau und den Gütern, die die eintretenden Frauen in die Gemeinschaft einbrachten, eine wichtige Einnahmequelle für das Kloster.

Liturgie und Gesang

Im Zentrum des Lebens als Augustiner-Chorfrau standen die Liturgie und der gemeinsame Gesang. „Die Gesänge sind sehr anspruchsvoll und auch wunderschön und da musste man natürlich die Notation lernen, das Latein und was die Gesänge bedeuten in der Kommunikation mit Gott“, sagt Co-Kuratorin Schlotheuber.

In der Ausstellung sind die Gesänge der „vergessenen“ Augustiner-Chorfrauen zu hören. Entstanden sind die Aufnahmen durch die Choralforschung zu den Handschriften aus Klosterneuburg und wurden durch die Choralschola für Kirchenmusik am Institut der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw) unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Antonia Kalechyts eingesungen.

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AUSSTELLUNGSKATALOG
Im begleitenden Ausstellungskatalog „Wir Schwestern – Die vergessenen Chorfrauen von Klosterneuburg“ sind die aktuellsten wissenschaftlichen Forschungsergebnisse nachzulesen.
Erhältlich im Stifts-Shop und bei Vandenhoeck & Ruprecht Verlage: 35,- Euro

MUSIK CD
Proprium und Matutin zum Fest der Hl. Maria Magdalena - Chorgesänge der „Vergessenen Chorfrauen von Klosterneuburg“, erforscht und aufgenommen durch die Choralschola der mdw. 
Erhältlich im Stift-Shop und an der mdw: 19,90 Euro

AUSSTELLUNG – WIR SCHWESTERN
Stift Klosterneuburg: 1. Mai – 15. November 2024
T.: +43 2243 411-212, E: groups@stift-klosterneuburg.at
3400 Klosterneuburg, Stiftsplatz 1

PODIUMSDISKUSSIONEN
Zwei Podiumsdiskussionen zur Rolle der Ordensfrau, einst und jetzt. Rückzug oder soziales Netzwerk? In Kooperation mit „radio klassik Stephansdom“ und den „Ordensgemeinschaften Österreich“.
 

  • Klausur und Mission – Ein Widerspruch? / 6. Juni 2024, 19 Uhr
  • Warum Ordensfrau? Warum nicht? / 12. September 2024, 19 Uhr


 

BILD TEXTE

 

Foto:    StiftKlbg_Ausstellung_Wir Schwestern_Gruppenbild_1
v.l.n.r.: Kuratoren-Team Jeffrey F. Hamburger, Eva Schlotheuber und Christina Jackel mit Propst Anton Höslinger, Klosterneuburg Gemeinderätin Katharina Danninger,
Abgeordneter zum Nationalrat Johannes Schmuckenschlager, Kulturleiter Matthias HofmeisterFoto:    StiftKlbg_Ausstellung_Wir Schwestern_Gruppenbild_2
v.l.n.r.: Jeffrey F. Hamburger, Eva Schlotheuber Propst Anton Höslinger, Christina Jackel und
Johannes SchmuckenschlagerFoto:    StiftKlbg_Ausstellung_Wir Schwestern_Ausstellung_b1
StiftKlbg_Ausstellung_Wir Schwestern_Ausstellung_b5
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Ausstellung „Wir Schwestern – die vergessenen Chorfrauen von Klosterneuburg“, im Stift Klosterneuburg.Foto:    StiftKlbg_Ausstellung_Wir Schwestern_Ausstellung_b3
Papst Innozenz II. gewährt den Augustiner-Chorherren und ihrer Kirche in Klosterneuburg päpstlichen Schutz. (Urk 1137-XI-30)Foto:    StiftKlbg_Ausstellung_Wir Schwestern_Ausstellung_b3b
Stiftung des Frauenklosters St. Jakob. (Urk 1261-VI-28)Foto:    StiftKlbg_Ausstellung_Wir Schwestern_Ausstellung_b4
Krummstab der Äbtissin Anna Margaretha Dorn von St. Marienstern (reg. 1640-1664)
(Leihgabe der Zisterzienserinnen-Abtei St. Marienstern)Foto:    StiftKlbg_Ausstellung_Wir Schwestern_Ausstellung_b6
Handschrift: Hymnar (CCI 1004, fol. 109r) - Diese Handschrift gehört zu einer Gruppe von sieben Hymnaren, aus der Stiftsbibliothek. Sie alle verwenden eine besondere und frühe Form der Liniennotation, die für das Klosterneuburger Frauenstift kennzeichnend ist. Die Abbildung zeigt eine betende Frau.

Copyright Stift Klosterneuburg, W. Hanzmann, Abdruck honorarfrei.

 

Stift Klosterneuburg
Walter Hanzmann – Pressesprecher
T: +43 2243 411-182, M: +43 676 / 447 90 67
E: presse@stift-klosterneuburg.at

Grassmugg GmbH
Eva Grassmugg
T: +43 3182 299 80
E: e.grassmugg@grassmugg.com
Pressetext- u. Fotoarchiv: www.grassmugg.com

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