Wasserburg Porträts - Mattheus Altershamer
Künstler:in: Mattheus Altershamer, "AETATIS SUAE 53"
1596
Material und Technik: Holzschnitt
Inventarnummer: DG04311
Der Holzschnitt ist die älteste Technik des Hochreliefdrucks. Er ist einfach zu bedienen und erfordert nur wenige Hilfsmittel: lediglich eine Holzplatte, einige Werkzeuge zum Tiefschneiden sowie Tinte und Papier. Die älteste bekannte xylografische Matrize (xylo: griechisch für Holz) wird in der Nationalbibliothek in Paris aufbewahrt und stammt aus dem frühen 15. Jahrhundert, es handelt sich um das „Holz Protat“, das auf beiden Seiten graviert ist. Ursprünglich konnte der Druck auch auf Stoffen erfolgen.
Dieses Porträt aus dem späten 16. Jahrhundert von Mattheus Altershamer dem Jüngeren (DER IVNG) im Alter von 53 Jahren gehört zu dieser Tradition. Das Wappen der Altershamer zeigt auf schwarzem Grund im Silber einen völlig geharnischten Mann mit Vollbart, auf einem Dreiberg nach links schreitend. [1] Der kleine Schatten unter der Hand des Porträtierten zeugt von den künstlerischen Kenntnissen des unbekannten Autors dieses Porträts. Es ist möglich, dieses Blatt mit anderen ähnlichen Porträts zu vergleichen, um sich ein Bild von der durchschnittlichen Reichhaltigkeit dieser Stiche und der individuellen Variation der Dekore zu machen.
In der Renaissance beschleunigt sich der Druckprozess, der in China seit Jahrhunderten bekannt ist. Mit dem Aufkommen des Bürgertums in den Handelsstädten entsteht ein neuer Kundenkreis für kleine Bücher oder eigenständige Drucke. Verzierte Porträts wie dieses tauchen unabhängig von Büchern in den Klöstern rund um die Alpen auf. Die Patrizier in den Städten waren darauf bedacht, repräsentiert zu werden und ihr Bild zu verbreiten, und ließen sich ihre Porträts nach dem Vorbild der Adligen anfertigen. Das große bekannte Modell aus dieser Zeit ist Dürers Kaiser Maximilian I., der versuchte, den antiken Kanon des Profilporträts auf Medaillen nachzuahmen.
Diese Auflage litt wahrscheinlich unter einer schlechten Druckqualität sowie unter der Sonneneinstrahlung. Die genaue Entstehungsgeschichte solcher Werke bleibt jedoch oft im Dunkeln. Die „Schwarze Manier“, die aufgrund der Schwärze der ersten Drucke so genannt wird, kann bis zu 100 Drucke hervorbringen, wobei die besten zwischen 40 und 60 Drucken liegen. Darüber hinaus „sind die Bärte im Hintergrund verloren, und doch gibt es noch Kraft und Geist“. [2]
Verfasst von: Eva-Laura Bucher
Literatur:
[1] Ferdinand Steffan, Hausgeschichte des Stadt Museums Wasserburg. Die Familien Altershamer, Kulbinger, Donnersberg und Herwart in Beiträge zur Geschichte, Kunst und Kultur des Wasserburger Landes. Jahrbuch Herausgeber Heimatverein (Historischer Verein), Wasserburg 1997
[2] Henrik Jansen, Essai sur l’origine de la Gravure en Bois et en Taille-douce […], Paris 1808, S.46-48