Origine de l’etouffoir impérial - Y.V. Lacroix
Künstler:in: Y.V. Lacroix
1805
Material und Technik: Kolorierte Umrissradierung
Inventarnummer: DG00793
In dieser Karikatur wird die Schlacht bei Waterloo aufgegriffen, wo Napoleon 1815 gegen die vereinigten Heere des britischen Herzogs Wellington und des preußischen Generals Blücher verlor. Kurz davor war Napoleon von seinem Verbannungsort auf Elba zurückgekehrt. Die politische Elite Europas war sich am Wiener Kongress einig, dass Napoleon endgültig besiegt werden müsse. In der Folge schlossen sich die britischen und preußischen Armeen zusammen. Zunächst gelang es Napoleon einen Keil zwischen die beiden Truppen zu schieben und den Preußen eine Niederlage zuzufügen. Nun wandte er sich beim Dorf Waterloo (Belgien) gegen die Briten. Doch dann musste der Kampf wegen Starkregens einen Tag pausieren. Dadurch konnten sich die Preußen neu aufstellen und Wellington zu Hilfe kommen.
Links sehen wir den preußischen General Blücher und rechts den Briten Wellington, die Napoleon in eine große Mülltonne drücken. Blücher sagt: „Mein lieber Freund, dieser Mann kommt bei Ihnen wieder zu Atem.“ Worauf Wellington antwortet: „Verlassen Sie sich auf mich, mein Freund!“ Napoleon schreit: „Meine Herren, ersticken Sie mich nicht! Rettet mir das Leben!“ Beiden gelingt es gemeinsam Napoleon endgültig im Mistkübel der Geschichte zu entsorgen.
Ende des 18. Jahrhunderts gewann bei der Herstellung von Kupferstichen die Stahlplatte immer mehr an Bedeutung, wodurch bis zu 1000 Abzüge pro Platte möglich wurden. Das erhöhte die Auflage und Geschwindigkeit der Produktion enorm. Denn Aktualität und Tempo sind Voraussetzungen für dieses Genre. Mit der französischen Revolution 1789 und den napoleonischen Kriegen kam es zum absoluten Höhepunkt der Verbreitung in ganz Europa. Napoleon wurde zum ersten „Star“ dieses modernen Genres. Während in England eine im damaligen Europa unbekannte Meinungsfreiheit herrschte, wurde der Markt in Frankreich von der Zensur streng überwacht. 1809 wurde ein eigenes Amt erschaffen, wo beschlagnahmte Karikaturen hinterlegt werden mussten. Wir wissen durch das Wort déposé am unteren Rand, dass diese Karikatur dort abgegeben wurde.
Warum befinden sich mehrere Napoleon-Karikaturen in der graphischen Sammlung des Stiftes? Während nach der Schlacht von Austerlitz 1805 im nahen Preßburg (Bratislava) verhandelt wurde, logierte Napoleon im Schloss Schönbrunn. Auch das Stift Klosterneuburg wurde von der französischen Armee besetzt. Am 20.12.1805 erschien Napoleon persönlich für eine halbe Stunde im Stift. Vielleicht war dies Anlass für einige Chorherren mit dem Sammeln von Napoleon-Karikaturen zu beginnen.
Verfasst von: Kristin Koblitz
Literatur:
Vinzenz O. Ludwig/Claire E. Stransky, Napoleon in Österreich. Szenen und Karikaturen aus Klosterneuburg, Wien/Berlin 1927
Jeremie Benoit/Philipp Gafner/ Philippe Kaenel, Napoleon I. im Spiegel der Karikatur, Sammlungskatalog des Napoleon-Museums Arenenberg, hg. von Hans Peter Mathis, Arenenberg 1998