Georg Burkhard Löffelholz von Colberg - Georg Martin Preissler nach Paul Decker d. J.
Künstler:in: Georg Martin Preissler nach Paul Decker d. J.
1739
Material und Technik: Kupferstich
Inventarnummer: DG02479
Die Inschrift am unteren Rand des Blattes verrät, wer hier dargestellt ist. Es handelt sich um ein Porträt des deutschen Adeligen Georg Burkhard Löffelholz von Colberg (1664 - 1737), der dem Nürnberger Patriziat angehörte. Als Waldamtmann und später Ratsherr war er eine namhafte Persönlichkeit. Das hochformatige Kniestück reiht sich in die Tradition der Porträtstiche der Nürnberger Patrizier des 17. und 18. Jahrhunderts ein.
Georg Martin Preissler war bekannt für seine Porträtstiche und wurde gerne und oft für diese beauftragt. Der Dargestellte wird in schwerer und samtener Tracht mit Halskrause und Perücke präsentiert. Der Brief in seiner Hand verweist auf seine Verwaltungstätigkeit. Die Architektur samt Vorhang im Hintergrund erinnert sehr an das Herrscherporträt des Königs Ludwig XIV. von Hyacinthe Rigaud.
Der Philosoph und Theologe, Georg Wolfgang Panzer, baute eine beachtliche Kupferstichsammlung [1] Nürnberger Adeliger auf und erstellte darüber im Jahr 1790 ein Werksverzeichnis. [2] Auf der Seite 148 wird dieses Portrait erwähnt und weist darauf hin, dass die Platte für den Kupferstich nachbearbeitet wurde: „Ead. tabula [die gleiche Platte], mit geändertem Gesicht und Perücke“.
Es handelt sich um einen posthumen Stich. Neben dem Aspekt der Memoria und des Repräsentationsbedürfnisses des adeligen Bürgertums, ließen patrizische Familien Porträts anfertigen, um eine Ahnenreihe zu erstellen und verschenkten oder tauschten diese im Verwandtenkreis untereinander aus, wo sie teils in Klebealben oder lose in Familienarchiven aufbewahrt wurden. [3] Unbeantwortet ist bisher, warum eine relativ große Anzahl von diesen Bildnissen gedruckt wurde. Der Vorteil einer quantitativ hohen Auflage war die Möglichkeit der umfangreichen Verbreitung. Dieses Porträt könnte wie eine Visitenkarte fungiert haben, bei der die Familie den Auftrag dazu gab, um, neben dem genealogischen Gedanken, auch Werbung außerhalb der Familienverhältnisse zu ihren Gunsten zu machen. [4] Die Tatsache, dass heute verschiedene druckgraphische Sammlungen quer durch Europa ein oder mehrere Exemplare aufliegen haben, so auch das Stiftsmuseum Klosterneuburg, bestätigt die erfolgreiche Streuung des Bildnisses und unterstreicht diese Annahme.
Verfasst von: Vesna ASONJA
Literatur:
[1] Die Panzersche Sammlung wurde im 19. Jahrhundert nahezu vollständig von der Kaufmannsfamilie Merkel übernommen und ging 1875 an das Germanischen Nationalmuseum Nürnberg als Dauerleihgabe über, wo sie bis heute aufbewahrt wird. Zit. n. Christian Rümelin, Leiter der graphischen Sammlung des Germanischen Nationalmuseums, persönliche Kommunikation, 15.11.2024.
[2] Georg Wolfgang Panzer, Verzeichnis von Nürnbergischen Portraiten aus allen Staenden, Nürnberg 1790.
[3] Zit. n. Birgit Schübel, Germanisches Nationalmuseum, persönliche Kommunikation, 02.12.2024.
[4] Zit. n. Antonia Landois, Stadtarchiv der Stadt Nürnberg, persönliche Kommunikation, 15.11.2024.