Das Fasslrutschen - Xylographische Anstalt Eduard Hallenberger
Künstler:in: Xylographische Anstalt Eduard Hallenberger, nach Originalzeichnung von Theodor Breidwiser
19. Jh. (in "Über Land und Meer" Ausgabe von 1876 gedruckt)
Material und Technik: Holzstich
Inventarnummer: DG00180
Die Entwicklung der Drucktechniken erreichte mit den vielfältigen Möglichkeiten des Holzstichs einen neuen Höhepunkt. Die feinen, in hartes Stirnholz geritzten Linien konnten bis zu einem gewissen Grad den Kupferstich evozieren und wurden somit sowohl für Kunstreproduktionen als auch für Darstellungen des alltäglichen Lebens oder historischer Ereignisse eingesetzt. Die Möglichkeit, für wenig Geld hohe Auflagen von bis zu 10.000 Drucken anzufertigen, trug darüber hinaus zur Verwendung in sogenannten „illustrierten Zeitschriften“ ab der Mitte des 19. Jahrhunderts bei. [1] Dadurch transformierte sich die Druckgrafik von einer teuren Kunst- oder Reproduktionsgattung, die als Statussymbol des Auftraggebers diente, hin zu einem Medium der Bildverbreitung über weite Distanzen. [2]
Gezeigt ist hier eine Seite aus der deutschen Zeitschrift Über Land und Meer, Band 35, Jahrgang 18, von 1876. [3] Sie stellt auf amüsante und dynamische Weise den lokalen Brauch des „Faßlrutschens“ im Keller von Klosterneuburg am Tag des Leopoldi-Festes dar. [4]
Die unten in die Grafik geschnittenen Initialen „EH.XA.“ beziehen sich auf die Xylographische Anstalt Eduard Hallberger. Um der hohen Anzahl von Druckgrafik-Aufträgen gerecht zu werden, entwickelte sich diese Anstalt im Laufe der Zeit zu einer der größten Holzstechereien in Deutschland. [5]
Fortschritte in der Industrie und der internationale Austausch neuer Technologien im Rahmen der Londoner, Pariser, und 1873 auch Wiener Weltausstellungen, forderten auch eine Modernisierung des Journalismus. Die 1858 von Eduard Hallberger gegründete Zeitschrift machte es sich in ihrem Prospectus zur Aufgabe, „ihre Leser durch Bilder-Telegramme mit allen Weltteilen zu verbinden“. [6] Oft wiederholte Schlagwörter sprechen von Globalisierung, Industrie und Fortschritt. Neben einer rein unterhaltenden Aufgabe, sollte die Zeitschrift ihren Lesern Neuigkeiten und Nachrichten aus In- und Ausland mitteilen, Kunst und Kultur verbreiten und somit auch einen Bildungsauftrag auf sich nehmen. [7]
Die hier gezeigte Grafik bildet einen spannenden Abschluss unserer Ausstellung: Wir sehen hier die Druckgrafik als Medium der massenhaften Bildverbreitung – mit der illustrierten Zeitschrift als Vorläuferin der modernen bebilderten Magazine, die bis heute einen festen Platz in unserem Alltag haben.
Verfasst von: Tess Marisol Schlager
Literatur:
[1] Bushart 2019, S. 195.
[2] Hannebutt-Benz 1984.
[3] Hg. Hacklander 1876, S. 149.
[4] Hg. Hacklander 1876, S. 150.
[5] Heimann 2010, S. 290.
[6] Hg. Hackländer 1858, S. 1-2.
[7] Hg. Hackländer 1858, S. 1-2.
Bushart 2019, Magdalena Bushart, Unzeitgemäß Zeitgemäß, in: Unzeitgemässe Techniken. Historische Narrative künstlerischer Verfahren, Böhlau Verlag 2019, S. 195-220.
Heimann 2010, Regelind Heimann, Wilhelm Gentz (1822–1890). Ein Protagonist der deutschen Orientmalerei zwischen realistischer Anschauung und poesievoller Erzählkunst, Logos Verlag Berlin GmbH, 2010.
Hannebutt-Benz 1984, Eva-Maria Hannebutt-Benz, Studien zum deutschen Holzstich im 19. Jahrhundert (mit Verzeichnissen der Xylographen und der xylographischen Ateliers), Frankfurt a. M. 1984.
Hg. Hacklander 1876, F. W. Hacklander (Hg.), Über Land und Meer. Allgemeine Illustrierte Zeitschrift, Band 35, Jahrgang 18, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1876.
Hg. Hackländer 1858, F. W. Hacklander (Hg.), Über Land und Meer. Allgemeine Illustrierte Zeitschrift, Band 1, Jahrgang 1, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1858.