Trunkener Bacchus, mit Satyr, Faun, Leopard und zwei Bacchantinnen - Jonas Suyderhoef
Künstler:in: Jonas Suyderhoef nach Peter Paul Rubens
Nach 1640
Material und Technik: Kupferstich
Inventarnummer: DG02142
Bezeichnet in der Platte:
- Links unten: „P.P. Rubens Pinxit“
- Rechts unten: „I. S. Sculpsit“/ „Cum Privilegio“
- In der Mitte unten: „Visus Hebet, fumant Artus, Cerebrum q(ue) Rotatur, / Nec facit Officium Pes Animusq(ue) suum“
Der Kupferstich zeigt einen Festzug bestehend aus dem trunkenen Bacchus, begleitet von seinem Gefolge. Der sichtlich berauschte römische Gott des Weines wird von einem listig blickenden Satyrn gestützt, zu seiner Linken amüsiert sich ein junger Faun. Dahinter führen zwei Bacchantinnen den Zug an. Die Figur des Bacchus, deutlich an seinem üppigen, nackten Körper zu erkennen, ist gekrönt mit einer Weinlaubkrone und in Begleitung seines Leoparden. Der Hintergrund der Szene wird nur leicht angedeutet, erinnert an eine bühnenartige Kulisse über die der Festzug in einer auffallenden Dynamik zieht. Um sie herum zeigen sich nur sanfte vegetabile Elemente und die Wolken akzentuieren die Figurengruppe.
Geschaffen wurde die Druckgrafik nach einem heute verlorenen Ölgemälde von Peter Paul Rubens. Diesem Bild soll einem anderen Bild aus dem Œuvre Rubens nahekommen. Das Werk „Bacchus“ (St. Petersburg, Eremitage), welches zwischen 1638 und 1640 gemalt wurde, zeigt zwar einen ähnlichen Bildaufbau, wie auch das gleiche Bildpersonal, lässt aber Unterschiede an deren Anordnung erkennen. Beigefügt ist eine Kopie dieses Werkes, die heute im Nationalmuseum Stockholm zu finden ist.
Der Kupferstecher Jonas Suyderhoef arbeitete für diesen Stich unter Pieter Soutman. Unter diesem arbeiteten die Stecher ausschließlich nach den Vorlagen Rubens, die Soutman auch durch Zeichnungen Rubens anreicherte, da er zuvor im Atelier des Meisters tätig war. Das Ziel der Reproduktionsgrafiken war es, die Bilder Rubens so getreu wie möglich anzufertigen, meist zu kommerziellen Zwecken. Suyderhoefs Arbeiten zeichnen sich durch eine feine malerische Detailtreue aus. Unterdessen arbeitete er mit diversen namenhaften Künstlern zusammen, zwecks weiterer Drucke.
Diese Reproduktionsgrafik setzt sich aus einem klassischen Kupferstich und einer Radierung zusammen. Der Kupferstichanteil stellt den größeren Anteil im Werk, während Details wie die Haare oder der Kopfschmuck in der Technik der Radierung entstanden sind. Diese Zusammensetzung unterstützt den malerischen Gesamteindruck und lässt feinste Schattierungen in Form von feingliedrigen und flexibleren Linien zu.
Verfasst von: Linda Seidel
Literatur:
C. G. Voorhelm Schneevogt, Catalogue des estampes gravées d'arprès P. P. Rubens, Haarlem 1873, S. 133, 124.
Karl Friedrich Arnold von Lützow: Geschichte der vervielfältigten Künste: Die Rubensstecher, Wien 1893, S. 26-36.