09.11.2011

Stift Klosterneuburg: 4. Internationaler Waldgipfel am Schauplatz eines Musterbeispiels

Energie aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz war das Thema des 4. Internationalen Waldgipfels, der im Stift Klosterneuburg stattfand. Das Stift wurde ausgewählt, weil es seit 2003 über ein leistungsstarkes Biomasse-Heizwerk verfügt, das als Musterbeispiel für die Versorgung des Zentralraumes einer Stadt mit umweltfreundlicher Wärme gelten kann. Neben Umweltminister Nikolaus Berlakovich und dem niederösterreichischen Landesrat Stephan Pernkopf kamen Fachleute des Internationalen Verbandes forstlicher Forschungsanstalten (IUFRO) und der COST (Cooperation in Science and Technology). Mit dem Waldgipfel begann auch eine mehrtägige Tagung zu diesem Thema.

Vorausblickendes Handeln und nachhaltiges Wirtschaften sind Grundprinzipien der Wirtschaftsbetriebe des Stiftes Klosterneuburg. Die Gewinnung von Energie aus Biomasse zur CO2-Reduktion zählt ebenso dazu wie die naturnahe und schonende Bewirtschaftung der Wälder und Ackerflächen oder die Aktivitäten des Stiftsweingutes Klosterneuburg, das 2009 als erstes Weingut Österreichs als klimaneutral zertifiziert wurde.

Wälder gehörten zur Grundausstattung des von Markgraf Leopold gegründeten Stiftes, als wirtschaftliche Basis, um seine religiösen, sozialen und kulturellen Aufgaben erfüllen zu können, erklärte Abtprimas Propst Bernhard Backovsky in seinen Begrüßungsworten. „Aufgaben und wirtschaftliche Basis wurden und werden der Zeit angepasst, blieben aber sonst unverändert.  Durch 900 Jahre kann dies aber nur funktionieren, wenn Nachhaltigkeit eine Grundregel des Handelns ist und diese Nachhaltigkeit immer gelebt wird.“

„Ethische, soziale und ökologische Kriterien stehen für uns gleichberechtigt neben wirtschaftlichen Zielen“ beschreibt Direktor Mag. Andreas Gahleitner die Arbeitsweise der Wirtschaftsbetriebe des Stiftes Klosterneuburg. Der Auftrag, Wertvolles für künftige Generationen zu bewahren, schließt den schonenden Umgang mit natürlichen Lebensgrundlagen mit ein. Sämtliche Nutzflächen werden daher nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit bewirtschaftet und ein Biomasse-Heizwerk versorgt das Stift mit Alternativenergie.

Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen

Mit der schonenden Bewirtschaftung von rund 8.000 Hektar Forstflächen und umfangreichen Aufforstungen erhält das Stift seine Wälder als Erholungsraum für Menschen und Rückzugsgebiet für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Durch die naturnahe Verjüngung der Althölzer wird die Artenvielfalt von Flora und Fauna erhöht und die Vitalität des Ökosystems gestärkt. Besonders sensible Flächen wurden zu Sonderschutzgebieten, in denen heimische Orchideen blühen und Smaragdeidechsen leben. Die Ernennung des Forstdirektors des Stiftes, Hubertus Fladl, zum „Waldbotschafter“ durch das Lebensministerium bedeutet eine verdiente Anerkennung dieser Aktivitäten.

Abtprimas Propst Bernhard Backovsky: „Wenn Sie heute die Sehenswürdigkeiten unseres Stiftes besichtigen, wird Ihnen die vielfältige Verwendung von Holz auffallen: Ob Möbel oder Chorgestühl, Fußböden oder Skulpturen, Weinfässer oder Weinpressen. Dazu kommen noch die nicht sichtbaren Teile – wie etwa der riesige Dachstuhl: Ganze Wälder wurden dafür verwendet. Und trotzdem finden Sie, wenn Sie in die Umgebung blicken, überall Wald: Wald im Augebiet der Donau und die Wälder des Wienerwaldes.“

Biomasse-Heizwerk aus Verantwortung für die Umwelt

Die 2001-2003 errichtete unterirdische Biomasse-Fernwärmeanlage reduzierte den CO2-Ausstoß im Vergleich zu den zuvor eingesetzten Heizsystemen um rund 3.200 Tonnen pro Jahr. Da die dafür benötigten Hackschnitzel aus den stiftseigenen Wäldern der Umgebung kommen, fallen überdies keine langen Transportwege an. Mit der Anlage werden das Stift und seine Nebengebäude sowie kommunale Einrichtungen in Kosterneuburg wie das Krankenhaus oder das Rathaus umweltfreundlich beheizt.

Der international bekannte Architekt und Träger des österreichischen Staatspreises, Heinz Tesar plante die unterirdische Anlage, die durch die unmittelbare Nähe zum Stift kurze Leitungen ermöglichte ohne die Ansicht des Stiftes zu beeinträchtigen. Der mit modernsten Filtern ausgestattete Rauchfang weist einen 70 Meter langen waagrechten Abschnitt auf, um ihn unauffällig in einem Altgebäude unterbringen zu können.

Die Anlage, die 2003 den Probebetrieb aufnahm, ersetzte eine Reihe von veralteten Heizanlagen und Kachelöfen im Stift und in den wichtigsten Gebäuden des Zentralraumes von Klosterneuburg: Neben dem Stift und seinen Nebengebäuden werden das Freizeitzentrum Happyland, das Spital, das Rathaus und die Babenbergerhalle sowie die Gebäude am Rathausplatz mit Wärme versorgt. Für Lebensminister Berlakovich, dessen Ziel es ist, Österreich bis 2050 energie-autark zu machen, ein Musterbeispiel.

Dr. Peter Schubert

Stift Klosterneuburg – Pressesprecher

0676 / 44 79 041

verlag@stift-klosterneuburg.at

Das Stift Klosterneuburg wurde 1114 gegründet und 1133 den Augustiner Chorherren übergeben, um ein religiöses, soziales und kulturelles Zentrum zu bilden. Das Stift ist heute ein wichtiger kulturtouristischer Faktor, eine religiöse und soziale Institution und ein bedeutender Wirtschaftsbetrieb. Es besitzt unter anderem das älteste Weingut Österreichs mit über 100 Hektar Fläche. Informationen: www.stift-klosterneuburg.at

 

Umweltminister Nikolaus Berlakovich, Abtprimas Bernhard Backovsky, Landesrat Stephan Pernkopf
Umweltminister Nikolaus Berlakovich, Abtprimas Bernhard Backovsky, Landesrat Stephan Pernkopf
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